Band 7 – Notizen am Rande (Teil 1)

I N H A L T

1   Notizen am Rande (Teil 1: 1981-1988) (57 Seiten)
2   unfertig (17 Seiten)
A   Biografisches
B   Schriftenverzeichnis
 


1

Notizen am Rande (Teil 1: 1981-1988)
 

Textauszug 1

Ein neues Jahr, ein neuer Anfang. Wieder will alles begrifflich und zu Worten und Gedanken werden, die sich im Bewußtsein festsetzen und entfalten. Erst zögernd, dann immer bestimmter überlagern neue Überlegungen frühere Sichtweisen und drängen schließlich zum Handeln.

Wenn in meinem Bewußtsein ein bestimmter Gedanke immer wieder Gestalt annimmt, beginne ich, ihm nachzuspüren, zu prüfen, wie er entstanden ist und zu welchen Regungen und Handlungen er mich führen will.

Alles ist für mich künstlerisches Tun, die Arbeit, das alltägliche Leben. Irgendwann einmal – noch unbewußt – hat mich diese Überzeugung ergriffen und angefangen, mich zu formen, sie hat mich bis heute durch mein Leben begleitet.

Ich schaue voller Unzufriedenheit auf den heutigen Tag zurück, der ohne perspektivisches Denken, ohne hinreichendes Gesprächsniveau, ohne Idealismus und ohne Freude am Tun zuende geht…

 

Textauszug 2

In den vergangenen Tagen kreisen meine Gedanken oft konzentriert um konkrete Kernbegriffe, zum Beispiel um den Begriff Versuch: das Leben als Versuch, der Mensch als Versuchswesen mit letztlich unendlicher Versuchsdauer und offenem Ausgang – bis in alle Ewigkeit. Jeder Versuch ist auch ein Üben, jedes Versuchen eine Übung, die weiterbringt. Der Urquell eines Lebens(-versuches) liegt ja immer in der (versuchten) Liebe der Eltern verborgen, einer Art Liebe ohne Gewähr. Laufen- und Sprechenlernen gelingt nur im permanenten Versuchen. Der Mensch scheint überhaupt weitgehend vom Versuchen, vom Üben zu leben. Wenn ich diese abstrakten Gedanken weiter konkretisiere, stoße ich unweigerlich auf die Übepraxis am Musikinstrument – welche Parallele! Gibt es womöglich verborgene Bereiche in unserem Leben, die sich allein durch das Versuchen und (Ein-)Üben erschließen? Vielleicht kenne ich deshalb noch nicht so viel vom Leben, weil ich zu wenig oder nicht mehr genug versuche und Unbekanntes ausprobiere. Der Versuchsradius und das Versuchsfeld scheinen mit dem Älterwerden kleiner zu werden. Alles in allem schlummert hier eine Idee für mein Schreiben: Literatur als Bericht vom Lebensversuch, vom Leben als Übung.

 


2

unfertig

Textauszug

früher, als er noch heimlich oder unter irgendeinem vorwand gelegentlich nach berlin gefahren war, um rebecca zu besuchen, hatte er nie das gefühl gehabt, in eine fremde stadt zu kommen – nein, berlin erschien ihm immer wie ein anderes zuhause, ein refugium, wohin er sich eines tages vielleicht auf dauer zurückziehen würde.

es waren glückliche jahre mit rebecca, auch wenn oder gerade weil alles im verborgenen geschah und niemand davon wissen durfte. als großer und schöner traum, jenseits aller damaligen realität, schwebte ihnen manchmal vor, vielleicht einmal – in aller offenheit – ein gemeinsames leben in berlin führen zu können.

rebecca hielt ihn und seinen in jener zeit sehr belasteten alltag durch ihre beständige und bedingungslose liebe im gleichgewicht, sowohl in der bremer als auch in der berliner zeit. familiäre und finanzielle probleme hatten ihm damals schwer zu schaffen gemacht und fast an den rand der existenz gebracht. in dieser situation war sie einfach da, gab ihm kraft und perspektive für eine neue, ganz andere zukunft, weit weg von den verstrickungen zuhause. sie half ihm dabei, nicht den glauben an sich und das leben zu verlieren. neben der liebe zu seinen kindern und die beschäftigung mit seiner kunst war sie der wichtigste mensch für ihn…

 

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