Band 11 – Konkrete Philosophie

I N H A L T

1   Konkrete Philosophie (10 Seiten)
2   Variante A: Poesie und Konkrete Philosophie (15 Seiten)
3   Variante B: Konkrete Philosophie und Poesie (8 Seiten)
4   was noch gesagt werden muss (5 Seiten)
A   Biografisches
B   Schriftenverzeichnis
 


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Dieser Band beschreibt in dem Essay „Konkrete Philosophie“ zunächst mein Wahrnehmen und Denken.

Textauszug

Es handelt sich nicht um eine Philosophie im herkömmlichen Sinne; sie erhebt auch keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit, denn sie ist individuell erlebt. Von ihr zu erzählen, ist aber gleichwohl sinnvoll und kann für andere Menschen eine Bereicherung sein. Auch wenn ihr etwas Utopisches anhaftet, ist sie – das ist meine Erfahrung – dennoch wenigstens im Ansatz verwirklichbar.

Bei allem Glauben an die Kraft eigenen Denkens bleibt meine Konkrete Philosophie bescheiden. Sie lebt mit von der Beobachtung, dass wir oft und überall in Erwartung eines „Größeren“ – was auch immer das sein mag und woher auch immer uns dieses vorschweben mag – zu leicht das „Kleinere“ übersehen, das im Kern und in seiner scheinbaren Bedeutungslosigkeit aber ebenso wesentlich sein kann.

Konkrete Philosophie speist sich aus Erfahrungen, ohne die es kein Nachdenken über etwas gäbe. Besonders die Erfahrung des Kindlichen verleiht ihr Mut und Perspektive, denn das Kind ist für mich die Verkörperung konkreten Seins überhaupt; so liegen die Ursprünge meines Denkens vor allem im Erleben des kindlichen Wesens.

Meine Philosophie nimmt sich nicht vor, Rezepte für Problemlösungen oder zum Glücklichwerden geben zu können, aber sie kann bei Bewältigung negativer Entwicklungen behilflich sein. Sie ist uns „auf den Leib geschneidert“, weil sie oftmals an ihre natürlichen Grenzen stößt: unsere Unvollkommenheit, das immer unfertig bleibende Wesen in uns. Mit ihm, dem unfertigen Menschen und seinem unfertigen Werk, will diese lebendige Philosophie ins Gespräch kommen, aus konkretem Denken heraus Lebenszusammenhänge beschreiben und Perspektiven sichtbar machen.

 


2

Für den folgenden Wettbewerbsbeitrag „Poesie und Konkrete Philosophie“ wurde die Form eines Vortrags gewählt; er verbindet die Gedanken aus „Konkrete Philosophie“ mit der Fragestellung des Wettbewerbsthemas.

Textauszug

Auf der Suche nach aktuell ausgeschriebenen literarischen Wettbewerben entdeckte ich im Internet die Magus-Preisfrage 2011. Die Thematik sowie die ausführlichen Erläuterungen (Zusammenhänge zwischen Sprache, Denken, Poesie und Wahrnehmung unter dem Diktum Johann Georg Hamanns: Ohne Wort, keine Vernunft – keine Welt) haben mich angesprochen, denn seit vielen Jahren beschäftige ich mich nicht nur mit den in der Ausschreibung dargelegten Fragen, sondern darüber hinaus in eigener künstlerischer Praxis eben auch mit den Kristallisationen solchen Denkens auf den Gebieten Literatur, Bildende Kunst und Musik.

Meine Arbeiten – literarische Texte, Bilder und Kompositionen – sind Ausdruck einer Konkreten Philosophie, die ich seit Mitte der 1990er Jahre zu beschreiben versucht habe.

Der vorliegende Text, der bisher weder veröffentlicht noch vorgetragen wurde, stellt meine persönliche Antwort auf die Magus-Preisfrage 2011 dar und ist in Form eines Vortrags verfasst.

Poesie und Konkrete Philosophie

Sehr verehrte Damen und Herren!

Mit dem Begriff Konkretes Denken umschreibe ich die Art und Weise, mein alltägliches Leben denkend zu begleiten und in Bewußtsein und Handlung eine möglichst weitgehende Balance zwischen Wahrnehmung, Empfindung, Sprache und künstlerischem Ausdruck anzustreben.

Im Laufe der folgenden Ausführungen möchte ich versuchen, Ihnen in gedrängter Form einige Grundlagen und Methoden dieses Denkens auf der übergeordneten Ebene einer Konkreten Philosophie vorzustellen, gleichzeitig Bezüge zur Magus-Preisfrage herzustellen, Möglichkeiten und Grenzen eines poetischen Denkens zu beschreiben und schließlich die Preisfrage aus der mir möglichen Sicht zu beantworten.

 


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Konkrete Philosophie und Poesie

Textauszug

Poetisches Denken will mit den Mitteln der ihr eigenen poetischen Sprache die eigentliche Welt entdecken und beschreiben. Konkretes Denken hingegen begleitet alltägliches Leben und strebt in Bewusstsein und Handlungsweise eine Balance zwischen Wahrnehmung, Empfindung, Sprache und Gestaltung an.

Von dieser These ausgehend, soll hier der Versuch unternommen werden, in gedrängter Form Möglichkeiten und Grenzen eines poetischen Denkens zu beschreiben und – im Vergleich dazu – Grundlagen des Konkreten Denkens auf der übergeordneten Ebene einer Konkreten Philosophie zu betrachten.

Es handelt sich dabei nicht um eine Philosophie im wissenschaftlichen Sinne; sie kann auch keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben, denn sie entspringt einem rein subjektiven Erleben und Nachdenken und relativiert auch allgemeine Themen auf individuelle Perspektiven.

Bei allem Glauben an die Kraft eigenen Wahrnehmens und Denkens bleibt die Konkrete Philosophie bescheiden; sie maßt sich nicht an, Rezepte für Problemlösungen oder zum Glücklichwerden geben zu können.

 


4

In „was noch gesagt werden muss“ schildere ich schließlich meine Lebenssituation im Frühjahr 2014 und verbinde sie mit Elementen der Konkreten Philosophie.

Textauszug

ich schreibe diese zeilen kurz nach beginn eines neuen lebensabschnitts im april 2014, der – nach dem umzug von oldenburg nach erfurt – große umstellungen mit sich gebracht hat. im volksmund heißt es bekanntlich „man soll nie nie sagen“ – wie wahr: noch im sommer 2013 hätte ich diesen auch für mich überraschend schnellen perspektivwechsel nicht für möglich gehalten. aber dann ergab sich die entscheidung für den umzug nach erfurt innerhalb weniger monate mit einer art intuitiv-logischer konsequenz aus den erlebnissen der vorangegangenen jahre, gepaart mit verschiedenen zufallsschüben.

in der vorbemerkung zu „was sein wird“ (Literarische Schriften, Band 8) schrieb ich:

„Kein Mensch kommt an der Zukunft vorbei, jeder geht ihr entgegen, ohne ausweichen zu können, und in jeder Lebensgegenwart ist die Realität der Zukunft bereits vorvollziehbar. So wie die vergangenen Jahrzehnte die Voraussetzung gewesen sind für unsere aktuelle Lebenswirklichkeit, so wird die Zukunft nichts anderes sein als das Ergebnis unserer heutigen Realität. Anders gesagt: Um der Zukunft auf die Spur zu kommen, genügt zunächst ein genauer Blick in die Gegenwart, denn die Zukunft ist aus ihr ableitbar, und alles andere wird sich zeigen“.

diese grundbedingung zeitlichen seins und werdens konnte ich im zuge des umzugs nach erfurt in besonderer weise erleben, angetrieben von meiner konkreten sicht der dinge. darüber hinaus liegt das jahr 2014, lebensprozessual gesehen, an der „richtigen“, nämlich an einer bruchstelle meines lebens.

wenn ich zurückschaue und meine lebenskurve zu skizzieren versuche, entdecke ich solche existentiellen veränderungsbrüche in etwa zehnjährigen abständen: kindheit bis 1964 (wegzug aus der lindenstraße), jugend bis 1974 (ende der schulzeit, weggang aus oldenburg), studium bis 1984 (weggang aus baden-württemberg), familiengründung und -leben bis etwa 1994, verwirrungen und neuorientierungen bis 2004, versuch der festigung bis 2014 (weggang von oldenburg). der neue abschnitt mit der zusammenfassenden konzentration auf das wesentliche wird also, wenn ich diesen lebensrhythmus spekulativ in die zukunft verlängere, bis 2024 andauern, ehe mich dann das letzte jahrzehnt mit alter und tod konfrontiert.

 

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